INITIATIVE ZUM ERHALT DES GEWERBES UND ZUR STÄRKUNG DES EINZELHANDELS

von Lothar Esser

Im Alltag lässt häufig die Aufmerksamkeit bei Dingen nach, derer man sich sicher wägt. Nachlassende Aufmerksamkeit oder Wertschätzung können dann sehr schnell zum Beziehungsbruch werden. Die Beziehung zum örtlichen Gewerbe kann man durchaus ähnlich betrachten, sie ist ein Bestandsgut und wird von Politik und Verwaltung viel zu oft in der täglichen Arbeit außer Acht gelassen und vernachlässigt. Doch die Gefahr, Betriebe oder Handwerksgewerbe an umliegende Kommunen zu verlieren, ist größer denn je. Mit hochwertiger und moderner Infrastruktur sowie niedrigsten Gewerbesteuerhebesätzen werden Betriebe zur Ansiedlung angelockt bzw. weggelockt.

Die Stadt Leichlingen hat auf Grund des Mangels an verfügbaren Gewerbeflächen nur begrenzt Möglichkeiten, neue Gewerbebetriebe anzulocken. Auf Grund der geografischen Lage ist es weiterhin nahezu ausgeschlossen, zusätzliche Gewerbeflächen zu entwickeln. Im Entwurf des Landesentwicklungsplans werden die Hürden für die Entwicklung neuer Gewerbeflächen noch höher gesetzt als sie ohnehin schon sind. Die umliegenden Kommunen Langenfeld, Monheim und Leverkusen verfügen über ausreichend Gewerbeflächen. Sie locken mit teilweise deutlich niedrigeren Gewerbesteuerhebesätze neue Gewerbebetriebe an. Doch was für den einen ein gutes Geschäftsmodell ist, ist für den anderen unter Umständen existenzgefährdend.  So verbieten sich für die Stadt Leichlingen Gewerbesteuerhebesätze auf dem Niveau von Langenfeld oder gar Monheim, da die durch die Senkung bedingten Mindereinnahmen nicht durch eine höhere Anzahl von Gewerbebetrieben kompensiert werden können. Und auf Einnahmen zu verzichten ist auf Grund der kritischen Haushaltslage nicht möglich.

Grundvoraussetzungen für eine gute Betreuung

Es ist also angezeigt, zumindest das bestehende Gewerbe zu „pflegen“ und trotz höherer Gewerbesteuersätze bei Laune zu halten, damit sie in Leichlingen verbleiben. Zu einer guten Betreuung / Pflege gehört ein eindeutiger und ständig präsenter Ansprechpartner. Häufig verhindern der Ärger und die Sorge vor zeitaufwändigen, bürokratischen Hürden die Weiterentwicklung eines Betriebes. Verfahren und Vorschriften sollten so weit wie möglich zu Gunsten der Antragsteller ausgelegt und angewandt werden. Direkte Gespräche verhelfen beiden Seiten zu einem besseren Verständnis, gegenseitigem Austausch und guten Willen.

Praxisnahe und unbürokratische Lösungswege sind also gefordert. Koordiniert und vorbereitet durch einen Wirtschaftsförderer (oder „-kümmerer“) können Verwaltung die Entscheidungsprozesse straffen und verkürzen. Sofern die Politik eingebunden werden muss, kann dies ebenfalls schnell und zeitnah über die bereits praktizierten Informationswege geschehen.

POTENZIAL NUTZEN – FÖRDERUNG UND INVESTITIONEN in GEWERBE

Beispiel Industriebrache Mannesmann in Langenfeld
In den 80er Jahren standen Rat und Verwaltung der Stadt Langenfeld vor der Frage, was tun mit der 40 ha großen Mannesmannbrache. Schnell war man sich klar, dass erst in die Sanierung und Aufbereitung der Fläche investieren werden muss, um (später) Erträge daraus generieren zu können. Das damals mit 39 Mio. EUR hochverschuldete Langenfeld finanzierte weiterer 10 Mio. EUR über Kredite und Rücklagen und erwarb im ersten Schritt das Gelände Mannesmann. Im zweiten Schritt wurde es entrümpelt und von Altlasten saniert. In den Folgejahren wurde das Gelände sukzessive verkauft und mehr als 40 neue Gewerbebetriebe angesiedelt. Das Risiko und die Investition haben sich also langfristig ausgezahlt, die Stadt Langenfeld ist seit 2008 schuldenfrei.

Potenzial Leichlingen – Investition in Industriebrache Monteferro

Ende 2014 hat das Amt für Bauordnung und Planung dem Rat eine Ausarbeitung über die Entwicklung der 26.000 qm großen Industriebrache Monteferro vorgetragen. Ausführlich wurden Kosten und Risiken benannt und wertmäßig beziffert[1]. Risiko und Kosten für die Entwicklung des Geländes sind in Relation vergleichbar mit denen der Mannesmannbrache Langenfeld. Im Gegensatz zu Langenfeld konnte sich der Rat der Stadt Leichlingen aber zu keiner Entscheidung durchringen. Fehlende Vorstellungskraft und mangelnder Mut zur Entscheidung ziehen sich in den letzten Jahren leider wie ein roter Faden durch die Politik der Stadt Leichlingen.

DER INNERSTÄDTISCHE EINZELHANDEL

Die seit Jahren drohende Verödung von Innenstädten greift auch auf das Zentrum der Stadt Leichlingen über. Der innerstädtische Einzelhandel ist schon seit vielen Jahren rückläufig, die überdurchschnittlich hohe Kaufkraft der Leichlinger Bewohner fließt zu mehr als 50% ab in die Einzelhandelszentren umliegender Kommunen. Grundsätzliche Fragen, wie und ob man dem entgegenwirken kann, werden nur unzureichend oder gar nicht diskutiert, achselzuckend und resigniert wird auf den wachsenden Internethandel verwiesen. Während die umliegenden Städte ihre Zentren in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut haben, streitet sich Leichlingen schon seit mehr als 10 Jahren über die Ausgestaltung der Innenstadt, ohne dass ein Ende abzusehen wäre. Die Zeit arbeitet schon lange gegen Leichlingen. Statt zielgerichtet und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wie der Rückgang gestoppt und umgekehrt werden kann, beharren die einzelnen Gruppierungen kleindimensioniert und starrsinnig auf ihren eigenen Positionen. So wird man die Schließung weiterer Geschäfte nicht aufhalten können.

 Steigerung der Attraktivität des Leichlinger Einzelhandelszentrums

Die Attraktivität einer Innenstadt bemisst sich nicht nur an Grünflächen oder vorhandenem Gewässer, sie hat eindeutig mehrere Facetten. Zu einer lebendigen und attraktiven Innenstadt gehört neben der Aufenthaltsqualität auch die Angebotsqualität. Für beide Merkmale besteht im Vergleich zu den umliegenden Einkaufszentren sehr viel Luft nach oben oder Aufholbedarf. Die Vielfalt des Warenangebots, ein bequemes Einkaufen durch ausreichenden Parkraum, barrierefreie Zugänglichkeit und natürlich auch vielfältige Gastronomie tragen wesentlich zur Attraktivität einer Innenstadt oder eines Einkaufsbereiches bei, Vorschläge und Möglichkeiten habe ich an anderer Stelle ausführlich dargelegt[2].
Chance Digitalisierung und Onlinehandel

Die Möglichkeiten des Onlinehandels mit all den vielen Schlagworten wie Handelsplattform, Multichannel, Cross-Channel usw. müssen auch in Leichlingen diskutiert und den Möglichkeiten entsprechend entwickelt und angewandt werden. Dazu gehört auch die unbegrenzte Verfügbarkeit von kostenlosem W-LAN in der Innenstadt. Natürlich kann nicht jedes Einzelhandelsgeschäft mit seinem gesamten Sortiment einen eigenen Onlineshop betreiben. Und natürlich ist eine Onlineplattformen, wie sie derzeit in Wuppertal, Attendorn, Wolfenbüttel etc. erfolgreich aufgesetzt und betrieben werden, für den Leichlinger Einzelhandel eine Nummer zu groß. Und trotzdem ergeben sich auch für Leichlingen Möglichkeiten des gemeinsamen „Onlinehandels“ wie z. B. die Präsentation zumindest eines Teilangebots, wöchentliche Aktionsangebote und dem Angebot von individuellen und besonderen Serviceleistungen der Einzelhändler. Erste Ansätze und Möglichleiten wurden ja schon angeregt und gestartet, sicherlich müssen sie weiter vertieft und professionell ausgearbeitet und ausgeführt werden. Gute Lösungen lassen sich nicht so nebenbei entwickeln und umsetzen, wenn sie eine nachhaltige Wirkung erzielen sollen.

Bestimmung gemeinsamer Ziele

Um eine wirkliche Attraktivitätssteigerung der Innenstadt und des Leichlinger Einzelhandels zu erzielen, reichen Einzelmaßnahmen von einigen Einzelhändlern oder Organisationen nicht aus. Es bedarf des Zusammenhalts aller innerstädtischen Einzelhändler und der Bestimmung gemeinsamer Ziele. Dies kann aber nur erreicht werden mit der politischen Unterstützung und der Kraft und Koordination durch die Verwaltung. Auch ein Abbau von bürokratischen Hemmnissen wie z.B. die Begrenzung von Stellflächen vor den Läden oder Parkgebühren etc. wäre ein erster politischer und verwaltungsmäßiger Ansatz. Politik und Verwaltung müssen dem örtlichen Einzelhandel die Möglichkeiten geben, sein Angebot und seine Dienstleistungen optimal zu präsentieren, und zwar ohne zusätzliche Abgabenlast.

EINSTELLUNG EINES GEWERBE- UND EINZELHANDELSBEAUFTRAGTEN / WIRTSCHAFTSFÖRDERERS in Vollzeit

All diese oben aufgeführten Anregungen und Maßnahmen rechtfertigen, nein zwingen eigentlich zu der Erkenntnis, dass die die Stadt Leichlingen dringend einen Gewerbe- und Einzelhandelsbeauftragten / Wirtschaftsförderer in Vollzeit benötigt. Ausgestattet mit hoher Fachkompetenz und Durchsetzungskraft soll die Position der Bedeutung entsprechend direkt dem Bürgermeister unterstellt sein (Stabsstelle). Die Fachkraft soll als Gesprächspartner und Bindeglied aller Beteiligten in Gewerbe, Einzelhandel, Politik und Verwaltung wirken und verantwortlich sein, die vorhandenen Vorschläge koordinieren, auf ihre Umsatzbarkeit prüfen, zur Entscheidungsreife bringen und letztendlich umsetzen.

Schlussbemerkung

Die Stadt Leichlingen hat viel mehr zu verlieren als es momentan offenbar zu sein scheint. Die umliegenden Kommunen haben uns in Handel und Gewerbe deutlich überholt, die angrenzende Stadt Opladen schafft derzeit durch die Entwicklung der alten Bahnstadt zusätzlichen direkten Wettbewerb zur Stadt Leichlingen. Die Gewerbestandorte Monheim und Langenfeld (auch Leverkusen denkt darüber nach) buhlen mit deutlich niedrigeren Gewerbesteuersätzen um die Ansiedlung von Gewerbebetrieben. Es muss also deutlich mehr Aufwand für den Erhalt des örtlichen Gewerbes und des Handels betrieben werden als bisher.

Die Einstellung eines Gewerbe- und Einzelhandelsbeauftragten in Vollzeit ist also dringend geboten. Es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob und wie erfolgreich diese Position schon einmal besetzt war. Wichtig ist allein die Erkenntnis der jetzigen Handlungsnotwendigkeit. Die Aufwendungen für eine kompetente und geeignete Kraft dürften bei ungefähr 1,5 – 2 % der jährlichen Gewerbesteuereinnahmen betragen. Das ist deutlich weniger als die 3,5% des Umsatzes, die der Handel in das Marketing / Werbung investiert.

[1] Vgl. Aktenvermerk Amt Bauordnung und Planung, 141120 Monteferro Info RAT.docx vom 3.12.2014

[2] vgl. „Wie wettbewerbsfähig ist der Einzelhandel im Leichlinger Zentrum?“, Mitglieder-Info 06/2014, http://www.fdp-leichlingen.de/fdp-aktuell-062014/

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